Vereinigung
Erwachendes Nationalbewusstsein

Während der Periode Österreichisch-ungarischer Herrschaft in Siebenbürgen und osmanischer Oberhoheit über den Grossteil des übrigen rumänischen Gebiets mussten sich die meisten ethnischen Rumänen mit einer Rolle als Bürger zweiter Klasse (oder sogar Nichtbürger) in ihrem eigenen Land sehen.
Die günstigsten Flüge nach Rumänien finden.
In einigen siebenbürgischen Städten wie Kronstadt (heute Brasov) war den Rumänen nicht einmal das Wohnen innerhalb der Stadtmauern erlaubt. In der romantischen Ära entstand mehr und mehr ein nationales Bewusstsein unter den Rumänen, so wie unter vielen anderen Völkern in Europa. Da sie sich im Kontrast zu den nah gelegenen Slawen, Deutschen und Ungarn sahen, schauten die nationalistischen Rumänen nach Vorbildern für die Nationalität in anderen romanischen Ländern, besonders Frankreich.Wie in den meisten europäischen Ländern kam es 1848 in der Moldau, der Walachei und in Siebenbürgen zur Revolution. Ihre Ziele völlige Selbständigkeit für die ersten beiden und nationale Emanzipation für das dritte blieben unerfüllt, waren aber die Basis für folgende Entwicklungen. Sie halfen auch der Bevölkerung der drei Fürstentümer, die Einheit ihrer Sprache und Interessen zu erkennen. Stark besteuert und schlecht verwaltet wählte das Volk sowohl in der Moldau als auch in der Walachei die gleiche Person Alexandru Ioan Cuza zum Fürsten. So entstand Rumänien, wenn auch ein Rumänien ohne Siebenbürgen, wo der rumänische Nationalismus unausweichlich mit dem ungarischen Nationalismus zusammenprallte. Für einige Zeit noch sollte Österreich-Ungarn, besonders unter der Doppelmonarchie von 1867, den Ungarn die feste Kontrolle geben, selbst in den Teilen Siebenbürgens, wo die Rumänen eine örtliche Mehrheit ausmachten. Vereinigung und MonarchieDie Wahl von Alexandru Ioan Cuza als Fürst sowohl der Moldau als auch der Walachei unter der nominalen Oberhoheit des Osmanischen Reiches vereinigte 1859 eine identifizierbare rumänische Nation unter einem gemeinsamen Herrscher. 1862 wurden die beiden Fürstentümer auch formal vereinigt und bildeten Rumänien mit Bukarest als Hauptstadt.Am 23. Februar 1866 zwang die sogenannte „monströse Koalition“ aus konservativen und radikalen Liberalen Cuza abzudanken. Der deutsche Prinz Karl von Hohenzollern-Sigmaringen wurde zum Fürsten von Rumänien ernannt, mit dem Hintergedanken, dadurch die deutsche Unterstützung für die Einheit und die künftige Unabhängigkeit sicherzustellen. Seine Nachkommen sollten als Könige von Rumänien bis zum Sturz durch die Kommunisten 1947 herrschen.Nach dem russisch-türkischen Krieg von 1877-78, in dem Rumänien an der Seite Russlands gegen die türkische Herrschaft kämpfte, wurde Rumänien durch den Vertrag von Berlin 1878 als unabhängig anerkannt. Als Territorium wurde ihm die Dobrogea hinzugefügt, gleichzeitig musste es aber drei Kreise im südlichen Basarabien im Bereich der Donaumündung (etwa ein Viertel der Gesamtfläche) an Russland abtreten. Karl wurde als Carol I. 1881 der erste König von Rumänien. Der neue Staat, zwischen dem Osmanischen, Österreich-Ungarischen und Russischen Reich eingezwängt, mit slawischen Nachbarn an drei Seiten, schaute in Richtung Westen, insbesondere nach Frankreich, nach kulturellen und administrativen Vorbildern. Deutschland und Österreich-Ungarn, die sich 1882 mit Italien in einem Dreibund zusammengeschlossen hatten, versuchten Rumänien an sich zu binden, um im Falle eines Konflikts zu vermeiden, dass sich Rumänien auf die russische Seite stellen würde. In den Balkankriegen. 1912-1913 gelang es, neutral zu bleiben, und Bulgarien, das aus dem zweiten Balkankrieg als Verlierer hervorging, musste die Süd Dobrogea an Rumänien abtreten. Auch im Ersten Weltkrieg versuchte man neutral zu bleiben; da Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärte, gab es keine Bündnisverpflichtung. Im Laufe des Krieges änderten sich jedoch die Konstellationen. Italien erklärte den Mittelmächten den Krieg, und Bulgarien trat auf Seiten der Mittelmächte in den Krieg ein. 1916 trat Rumänien auf der Seite der Entente in den Krieg ein, da man die Möglichkeit sah, bei einem Sieg das mehrheitlich von Rumänen bewohnten Siebenbürgen einfordern zu können. Die rumänische Armee agierte aber militärisch äußerst unglücklich, und innerhalb weniger Monate war die gesamte Walachei von deutschen Truppen besetzt. Erst im Sommer 1917 konnte die rumänische Armee den deutschen Vormarsch stoppen. Am 7. Mai 1918 schloss Rumänien mit den Mittelmächten den Friede von Bukarest. Im November trat Rumänien wieder in den Krieg ein und durfte von einer günstigen militärisch-politischen Konjunktur profitieren: weil das österreichisch-ungarische und das russische Reich verschwunden waren, konnte Rumänien in den Friedensverhandlungen umfassende territoriale Forderungen erheben, nämlich die Gebiete anfordern, wo es eine absolute rumänische Bevölkerungsmehrheit gab. Regierungsgremien, die in Siebenbürgen, Basarabien und in der Bucovina gebildet wurden, entschieden sich für die Vereinigung mit Rumänien, was im Vertrag von Trianon 1920 bestätigt wurde. Die Jahre zwischen dem Ersten und Zweiten WeltkriegIn dem neuen „Großrumänien“ waren nur drei Viertelnder Bevölkerung ethnische Rumänen. In Siebenbürgen gab es eine große Minderheit (regional sogar Mehrheit) an Ungarn und Deutschen und in der Süd Dobrogea stellten die Rumänen gerade einmal 2 % der Bevölkerung. Obwohl in den Karlsburger Beschlüssen vom 1. Dezember 1918 weitgehende Minderheitenrechte geregelt worden waren, wurde der Staat in der Praxis zentralistisch regiert.Die meisten der Regierungen in den Zwischenkriegsjahren bewahrten die Form, aber nicht die Substanz, einer liberalen konstitutionellen Monarchie. Die Verfassung von 1923 gab dem König die Macht, das Parlament aufzulösen und nach Gutdünken Wahlen anzusetzen; als Konsequenz gab es zwischen 1930 und 1940 über 25 verschiedene Regierungen. Die nationale liberale Partei, die in den Jahren unmittelbar nur dem Ersten Weltkrieg dominierte, wurde immer nationalistischer und wurde 1927 durch die nationale Bauernpartei an der Macht abgelöst. Während dieser Zeit hatten war die Beziehung zwischen den nationalistischen Parteien und König Carol II. von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Nach dem Tod seines Bruders Ferdinand 1927 wurde Carol wegen seiner bekannten jüdischen Mätresse Magda Lupescu an der Thronbesteigung gehindert. Nach drei Jahren im Exil, während derer sein Bruder Nicolae als Regent und sein junger Sohn Mihai als König diente, gab Carol öffentlich seine Mätresse auf und bestieg selber den Thron; es wurde aber rasch klar, dass sein Verzicht eine Täuschung war. In den 1930er Jahren stieg eine Zahl von ultranationalistischen Parteien auf, insbesondere die quasi-mystische faschistische Bewegung der Eisernen Garde (auch: „Legion des Erzengels Michael“), die den Nationalismus, die Furcht vor dem Kommunismus und Ressentiments gegen die angebliche ausländische und jüdische Dominanz in der Wirtschaft ausnutzte. Am 10. Dezember 1933 liess der liberale Premierminister Ion Duca die Eiserne Garde auflösen und tausende verhaften; 19 Tage später wurde er von Legionären der Eisernen Garde ermordet. Am 10. Februar 1938 entließ König Caol III. die Regierung und setzte eine Königsdiktatur ein, um damit die Bildung einer Regierung zu verhindern, der Minister aus der Eisernen Garde angehört hätten. Dies geschah in direkter Konfrontation mit Adolf Hitlers ausdrücklicher Unterstützung der Eisernen Garde über die nächsten zwei Jahre entwickelte sich der bereits heftige Konflikt zwischen der Eisernen Garde und anderen politischen Gruppierungen unter mehreren kurzlebigen Regierungen nahezu zu einem Bürgerkrieg. Im April 1938 liess Carol den Führer der Eisernen Garde Corneliu Zelea Codreanu verhaften. In der Nacht vom 29. auf den 30. November 1938, vermutlich als Revanche für eine Reihe von Attentaten durch Kommandos der Eisernen Garde, wurden Codreanu und mehrere andere Legionäre getötet, angeblich bei einem Fluchtversuch. Man nimmt allgemein an, dass solch ein Fluchtversuch nicht stattgefunden hat.Die Diktatur durch den König war kurzlebig. Am 7. März 1939 wurde mit Armand Calinescu als Premierminister eine neue Regierung gebildet; am 21. September 1939, drei Wochen nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Calinescu als Rache für Codreanu wiederum von Legionären ermordet.














